Altern in der Fremde – Eine Herausforderung für die Zukunft?

Mit dem Raab- Ohla- Abkommen wurde 1961 der Grundstein für die staatlich organisierte Arbeitsmigration gelegt. Im Ausland wurden Anwerbestellen eingerichtet um auswanderungswillige junge ArbeiterInnen für den Arbeitsmarkt in Österreich anzuwerben. Die einzige Voraussetzung für eine Aufnahme sowie Weitervermittlung war körperlich gesund zu sein.

Die meisten Tätigkeiten, welche die angeworbenen GastarbeiterInnen zu verrichten hatten waren in Produktionsbetrieben, im Baugewerbe sowie im Tourismus angesiedelt. Die Arbeiten waren zumeist mit großen körperlichen Anstrengungen verbunden und die Dauer hängte von den Aufenthalts- sowie Arbeitsbewilligungen ab.

Die „erste Generation“ der Gastarbeiter sind nun nach 40 Jahren und mehr Arbeit auch die erste Generation von alten Menschen mit Migrationshintergrund, welche das Pensionsalter erreicht haben.

Jene, die das Pensionsalter erreicht haben und sich eine zweite Existenz in der Heimat aufgebaut haben kehren meist zurück.

Es gibt aber auch viele die man als „Pendelpensionisten“ bezeichnen kann. Das sind jene, welche zwischen zwei Ländern hin und herpendeln. Die Gründe für eine derartige Lebensführung sind genau so facettenreich wie das Leben selbst. Wenn ein Teil der Familie in Österreich lebt und der andere Teil im Heimatland oder medizinische Behandlungen in Anspruch genommen werden müssen, welche im Heimatland nicht in dem Ausmaß angeboten werden wie hier in Österreich, usw…

Die Menschen, welche sich entschieden haben ihr Leben, ihre Pension in Österreich zu verbringen werden für den Betreuungsalltag in Pflegeheimen, Seniorenzentren, Geriatrien und sonstigen Betreuungsformen für alte Menschen eine neue Herausforderung darstellen.

Hierfür gilt es einen Leitfaden für die Zukunft zu erarbeiten, welche dem betreuenden Personal eine Hilfestellung im Betreuungsalltag gibt. Auch das Aneignen von Wissen über andere Kulturen und Religionen wird eine wesentliche Rolle spielen, um Verständnis für gewisse im Betreuungsalltag auftretende Probleme zu finden.

Es ist wichtig in den Ausbildungszentren in gewissen Fächern oder als Zusatzfach den Focus auf jene Menschen zu richten, die aus einem anderen Kulturkreis stammen oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören.

Menschen mit einer Zugehörigkeit zu einer anderen Kultur und Religion benötigen keine gesonderten Betreuungsformen. Jeder kranke oder pflegebedürftige Mensch der betreut wird benötigt viel Geduld, Zeit, Zuwendung und Liebe. Dies sind universell gültige Rezepte die in allen Kulturen und Religionen ihren Ursprung haben.

Um eventuell auftretende Schwierigkeiten im Betreuungsalltag professionell bewältigen zu können bedarf es an interkulturellen Kompetenzen. Damit sind Fremdsprachen, religiöse Riten und Essgewohnheiten sowie die Familienstruktur, aber auch Sterbebegleitung und die Organisation der Überführung sowie Trauerarbeit gemeint.

Ich hoffe mit diesem kurzen Beitrag einen Denkanstoß für einen wichtigen Bereich leisten zu können sowie eine Sensibilisierung für die Zukunft zu erreichen.

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