“Burka brauche ich nicht in Österreich”

Für den Grünen Bundesrat Efgani Dönmez ist die Ganzkörperverschleierung in “Europa und Österreich nicht nachvollziehbar”.

Der Grüne Bundesrat Efgani Dönmez greift sich an den Kopf. Efgani Dönmez: “Ich habe früher auch SPÖ gewählt, bis ich mitbekommen habe, was da für ein falsche Spiel gespielt wird”.

Seit seinem “Brüste”-Aufreger ist der Grüne Bundesrat Efgani Dönmez vorsichtiger geworden. Zwar spricht er noch immer frei von der Leber, bleibt dabei aber politisch korrekt. “Mir ist es wirklich komplett Blunz’n auf gut Deutsch, ob da eine Frau oder ein Mann ist”, sagt Dönmez über das Thema Frauen und Frauendominanz bei den Grünen. Ende 2008 hatte er noch mit der Aussage “Brüste zu haben reicht bei den Grünen nicht als Qualifikation” für Empörung in der eigenen Partei gesorgt.

Der türkischstämmige Oberösterreicher formuliert aber noch immer spitz und in der Sprache der Jugend, wie er selbst unterstreicht. “Burka brauche ich nicht in Österreich”, sagt Dönmez auf Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy angesprochen, der die Ganzkörperverschleierung als in Frankreich unerwünscht bezeichnet hatte. Auch für Dönmez ist die Burka in “Europa und Österreich nicht nachvollziehbar”. Das Kopftuch sei hingegen eine persönliche Entscheidung, da möchte er als Politiker niemandem was vorschreiben. Dönmez bestätigt zwar, dass ein Kopftuch eine Hürde sein kann, dieses sei jedoch nichts Ungewöhnliches oder Anrüchiges. Wenn jemand hingegen “mit der Burka herumrennt, werden gewisse Türen verschlossen bleiben”.
Existenzangst: “Da fährt die FPÖ super rein”

Scharfe Kritik übt der 32-Jährige an der Ausländerpolitik der SPÖ. Die Sozialdemokraten würden die meisten Stimmen von Menschen mit Migrationshintergrund bekommen, trieben dabei aber ein “falsches Spiel”. Die SPÖ gibt diesen Menschen das Gefühl, für sie zu sein, sponsere Veranstaltungen und stelle Sachleistungen zu Verfügung. “Wenn es aber darum geht, die Menschen politisch einzubinden oder für sie Partei zu ergreifen, überholt die SPÖ sie rechts.” Das würden die Leute aber nicht mitbekommen, “weil alle in ihre Sat-Schüsseln reinschauen”. “Ich habe früher auch SPÖ gewählt, bis ich mitbekommen habe, was da für ein falsche Spiel gespielt wird”, so Dönmez, der das nun in “die Communities tragen” will. Bei der FPÖ wisse man wenigstens im Vornherein, “was man nachher bekommt”.

Dass auch Wähler mit Migrationshintergrund für die FPÖ stimmen, erklärt Dönmez damit, dass es jene Menschen seien, bei denen der “Verdrängungswettbewerb und die Existenzängste am größten” seien – “und da fährt eben die FPÖ super rein”. Der Unterschied zu den Grünen sei es, dass seine Partei die Probleme differenzierter kommuniziere und auch Lösungen anbiete, die nicht schwarz oder weiß, sondern komplex seien. “Populisten” seien den Grünen da immer einen Schritt voraus, weil sie vieles ansprechen, aber nicht ins Detail gehen, erklärt Dönmez, gesteht aber gleichzeitig ein, dass die Grünen bei der Sprache “Optimierungsbedarf haben”.

Den Vorwurf der “Abgehobenheit” könne er “nachvollziehen”. Er selbst sei aber als Arbeiterkind jemand, der die “Sprache der Jugend” spreche und diese auch erreiche. Und dieses Feld möchte er nicht der FPÖ überlassen und nehme “das Match gerne auf”. Die Frage dabei sei es, mit welchen Mitteln dieses ausgetragen werde, denn es gebe “unterschiedliche Kampfstile”, etwa den “free fight, wo man auch unter die Gürtellinie geht”. Die Grünen seien für einen bestimmten Umgang, auch wenn man damit nicht die Massen erreiche, “aber es hat Qualität”.

Diskriminierung von ausländischstämmigen Jugendliche

Der Kontakt mit der Jugend ist aber nicht immer leicht, erzählt Dönmez. “Wenn ich in die Disco rein kommen würde, würde ich gerne mit den Jugendlichen sprechen”, es sei ihm aber alleine in Oberösterreich fünfmal der Zutritt zur Disco “aufgrund meines Aussehens” verweigert worden. “Das ist auch eine Realität.” Man beklage, dass sich “die Jungen zusammenrotten”, aber anderseits werden sie nicht in die Lokale reingelassen.

Die gleichen Probleme hätten ausländischstämmige Jugendliche auch am Arbeitsmarkt. 60 Prozent der jungen Arbeitslosen hätten Migrationshintergrund. Den Grund dafür sieht Dönmez in der jahrelangen Untätigkeit der Politik, der schlechten Gesetzgebung und Bildungsmängeln. “Wir haben einen Sauhaufen beisammen, wo sich nicht einmal mehr die Experten auskennen.” Es wissen die Zuwanderer nicht, “woran sie sind”, und auch die Österreicher nicht.

Seine politische Vision sei es, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, in der Politik und in der Religion. “Ich brauche keinen Strache, ich brauche keinen Krenn und ich brauche keinen Bush.” Es bräuchte Menschen wie US-Präsident Barack Obama, den oberösterreichischen Grünen-Chef Rudi Anschober, Bischof Christoph Schönborn und Pfarrer Josef Friedl, so Dönmez.

Artikel vom 12.07.2009 10:29 | APA | tan

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