„Ich bin für ein Verbot der Burka“

„Staat sollte Flächen für Moscheebauten widmen“: Efgani Dönmez

Eine Moschee sollte ins Ortsbild passen, er sei gegen Minarette als politisches Symbol, meint der grüne Bundesrat Efgani Dönmez

Für Aufregung sorgte im April 2008 der – damals frischgebackene – Grüne Bundesrat Efgani Dönmez im derStandard.at-Interview mit der Aussage, er sei gegen Minarette „als politisches Symbol“. Anlässlich der Schweizer Volksabstimmung wollen wir nun von ihm wissen, was er von deren Ergebnis hält. Die Fragen stellte Maria Sterkl.

derStandard.at: Was sagen Sie zum Schweizer Abstimmungsergebnis?

Dönmez: Da geht es nicht um Minarette. Es wird stellvertretend für etwas anderes diskutiert. Es gibt ziemlich viele Vorbehalte gegen den Islam. Die Leute erhalten durch die Berichterstattung ein falsches Bild. Ich kritisiere bestimmte islamische Gruppierungen ja auch. Aber deshalb eine Religion pauschal zu verunglimpfen finde ich absolut nicht in Ordnung.

derStandard.at: Sie sind aber nicht bedingungslos für Minarette. Wie stehen Sie konkret dazu?

Dönmez: Das Minarett ist im Zuge der osmanischen Bauweise etabliert worden, es gibt im Koran keine Vorschrift darüber. Es soll ins Ortsbild passen und da geht es nicht um Potenzfragen – ob der Kirchturm höher ist oder das Minarett. Natürlich gibt es Ängste in der Bevölkerung, und da sollten wir als Politiker aufklärend wirken – und nicht, wie die FPÖ, Öl ins Feuer gießen.

derStandard.at: Sie sagen, die Moschee soll ins Ortsbild passen. Wer entscheidet das? Würden Sie im Bezirk darüber abstimmen lassen, ob eine neue Moschee ein Minarett haben darf oder nicht?

Dönmez: So etwas kann leicht missbraucht werden. Wenn ich mir das Klima zurzeit anschaue und einen Bau davon abhängig mache, wie eine Abstimmung ausgeht, dann ist es gescheiter, man bläst das gleich ab. Weil die Leute sowieso dagegen sein werden.

derStandard.at: Wenn die Leute ohnehin dagegen sind – wäre es dann vielleicht gescheiter, man baut gleich ohne Minarett?

Dönmez: Aber das ist ja etwas, worüber man diskutieren kann. Die Leute sollen einen würdigen Ort haben – ob mit oder ohne Minarett, sollen dann die Beteiligten entscheiden.

derStandard.at: Angenommen, die Beteiligten sind dagegen.

Dönmez: Dann kommt eben kein Minarett hin.

derStandard.at: Das ist quasi Schweiz im Kleinen: Die Mehrheit entscheidet, ob Minarette erlaubt sind.

Dönmez: Ich will, dass die Menschen einen Ort zum Ausüben ihrer Religion haben. Ob es ein Minarett gibt, seh ich ohnehin nicht, wenn ich im Gebäude bin.

derStandard.at: Setzen manche Muslime die falschen Prioritäten, versteifen sie sich zu sehr aufs Minarett?

Dönmez: Also diese Diskussion haben ja nicht die Muslime losgetreten. Die Diskussion wurde bewusst von den rechten Parteien inszeniert.

derStandard.at: Würden Sie eine Volksabstimmung in Österreich unterstützen?

Dönmez: Mit diesen Fragestellungen? Das wäre verfassungwidrig. Wenn wir ein Menschenrecht auf Religionsfreiheit haben, dann impliziert das für mich, dass die Menschen auch einen Platz dafür haben. Denn wenn das nicht so ist, dann schaffen wir gleich alles ab. Groß einen auf Demokratie machen und gleichzeitig einer bestimmten Religionsgemeinschaft Rechte zu verweigern, ist nicht in Ordnung. Ich stelle die Frage anders: Wie schaut es denn gegenwärtig aus? Wir haben in irgendwelchen Hinterhöfen Vereine, wo wir nicht wissen, wer was predigt. Wenn wir aber Moscheen hätten, wo wir wissen, dass die Leute in Österreich ihr Studium absolviert haben und ihren Dienst an der Gemeinde verrichten, dann ist das genau das Gegenteil.

derStandard.at: Sollte sich der Staat stärker einmischen, wenn eine neue Moschee gebaut wird?

Dönmez: Ja. Moscheen sollten unter bestimmten Voraussetzungen gebaut werden: Es dürfen keine Parallelgesellschaften entstehen, die Moschee sollte multiethnisch betrieben werden, also nicht nur von Türken, sondern auch von Bosniern und Arabern, und es sollte ein Ort der Begegnung sein.

derStandard.at: Für Moscheen sollte es also eine Ausschreibung geben?

Dönmez: Wie das dann im Detail ausschauen sollte, wird man sehen. Aber ich möchte nicht, dass da hinter verschlossenen Türen irgendetwas ausgemunkelt wird, wo man nicht weiß, wer was vertritt. Gerade bei so einem sensiblen Thema sollte Transparenz an oberster Stelle stehen.

derStandard.at: Sollte die öffentliche Hand Flächen für Moscheebauten zur Verfügung stellen?

Ja. Es sollte ein Angebot seitens der Politik geben, dass Menschen ihren Glauben unter würdigen Bedingungen ausüben können. Ich garantiere Ihnen: Am Geld wird ein Moscheebau nie scheitern. Nach dem Bosnien-Krieg war dort das erste, was wieder aufgebaut wurde, die Moscheen – weil da die Saudis massiv Geld inverstiert haben. Und ich möchte schon wissen, woher das Geld kommt und welche Abhängigkeiten dadurch entstehen. Die Stadt soll Raum zur Verfügung stellen und sagen: Stellt’s euch eine Moschee hin – aber unter bestimmten Voraussetzungen, da wollen wir mitreden.

derStandard.at: In der Schweiz könnte es bald eine nächste Abstimmung geben – über ein Burkaverbot. Ihre Meinung dazu?

Dönmez: Die Burka hat nichts mit dem Islam zu tun, das ist Unterdrückung der Frau. Aber seien wir ehrlich: Wir reden hier über maximal eine Handvoll Burkaträgerinnen in Österreich.

derStandard.at: Sollte es dieser Handvoll verboten werden, die Burka zu tragen?

Dönmez: Ich bin für ein Verbot der Burka. Da kriegen Sie von mir Klarheit.

Quelle:(derStandard.at, 1.12.2009)

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