Inhalte statt Sprüche! Thema heute: Wirtschaft.

Üblicherweise dominieren im Wahlkampf Sprüche und Schlagworte auf Plakatwänden, wenig informative Werbeinserate/-broschüren, sowie hitzige TV-Konfrontationen. Thematische Inhalte und persönliche Haltungen treten zu oft in den Hintergrund, obwohl diese doch wahlentscheidend sein sollten, nicht wahr?

Daher gehe ich in den letzten drei Wochen vor der Wahl hier auf eine Handvoll politischer Ziele etwas ausführlicher ein, als auf meinem Flyer – wir brauchen Inhalte statt Sprüche! Auch zum heutigen Thema: ein qualitatives Wirtschaftswachstum, auch in den Creative Industries!

Schauen wir den derzeitigen Zukunftsaussichten ehrlich ins Gesicht: wachsende Arbeitsplatzunsicherheit, sinkender Lebensstandard und drohende Altersarmut für die breiten Masse zeichnen sich ab. Der bisherige Wohlstand der Nachkriegszeit basierte auf Wirtschafts-wachstum und dieser wurde und wird bis dato in den meisten Staaten nur in Geldgrößen (BIP bzw. BNP) gemessen. Der Automatismus mehr Wirtschaftswachstum = mehr Wirtschaftsgüter = mehr Lebensglück funktioniert auch lt. Studien nicht so, wie es sich viele vorgestellt haben und immer noch tun (vgl. NDR.de). Das, was im Westen eine relativ große vermögende Gruppe zu viel an materiellen Gütern hat, fehlt an anderen Orten der Welt, wo 2/3 noch immer um ihr nacktes Überleben kämpfen – ein Kampf, der in Zeiten knapper werdender Ressourcen immer härter wird.

Selbst wenn wir durch das jährliche Wirtschaftswachstum kein Ressourcenproblem hätten, haben wir durch diese Art und Weise des Wirtschaftens bereits ein Umwelt-, Klima-, und Entsorgungsproblem, Verlust der Flora- und Faunavielfalt inklusive. Auf die auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich – auch bei uns in Österreich und Europa – möchte ich dieses Mal erst gar nicht näher eingehen…

Die Balance zwischen Materiellem, Sozialem und Spirituellem muss wieder hergestellt werden. Wenn schon Wachstum, dann qualitatives Wachstum, nach dem Motto: „Weniger ist mehr.“ Bhutan beispielsweise hat dahingehend bereits einen Vorreiterrolle eingenommen und misst seinen wirtschaftlichen Erfolg seit Jahren nicht mehr durch die Berechnung des BNP, sondern via Bruttonationalglück. Abseits dieses Pilotprojekts im Himalaya wird Österreich im Vergleich zu den aufstrebenden BRIC-Staaten als relativ kleines Land in vielen Produktionsbereichen niemals mithalten können.

Worauf wir setzen können und müssen, ist in Qualität statt Quantität, sei es in der Landwirtschaft, in der Kreativbranche oder im industriellen Bereich. Ein Negativbeispiel in den Creative Industries ist der Radiosender Ö3, der seit Jahren erfolgreichen/qualitativ hochwertigen Pop made in Austria kaum spielt (vgl. obige Grafik und Artikel auf GrenzlandDemokratie). Positive Beispiele begegnen uns in Form unserer hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte und vielen innovativen kleineren und mittleren Unternehmen. Zu den höchsten Werten einer modernen Gesellschaft gehört zweifelsohne neben der Freiheit auch die Lebensqualität. Dazu zählen neben materieller Absicherung, individuelles Wohlbefinden und hohe Lebenszufriedenheit bis ins hohe Alter. Diese Verschiebung bzw. Wertewandel wird neue Berufsfelder kreieren, besonders im Kreativ- und Gesundheitsbereich – wenn wir strukturelle Blockaden und Hemmnisse, wie sie derzeit z.B. im ORF herrschen (Musikpolitik auf Ö3, geplante Musikförderungskürzungen, Abschaffung des öffentlichen Auswahlverfahrens zum Eurovision Song Contest,…) überwinden.

Der Wohlfühlfaktor gewinnt schon heute an Bedeutung, insbesondere in dem Wissen, dass unsere Gesellschaft eine immer ältere wird. Die Fixierung allein auf materielle Werte und eine Welt in der die sozialen Ungleichheiten immer größer werden, stößt viele vor den Kopf. Ich bin der Überzeugung, dass der Wohlstand der Zukunft im besser, anders, weniger liegt. Dabei ist nicht Konsumverzicht gemeint, sondern ein maßvolles konsumieren, Qualität statt Quantität. Ein bewusster Konsum, wo die Sinnfrage im Mittelpunkt steht, nach dem Motto brauche ich das wirklich, wofür das alles? Ich persönlich lasse mich desöfteren von dem Motiv leiten, dass was dem (guten) Leben dient, dass gönne ich mir und was dem Leben schadet, darauf verzichte ich.

Persönlich spare ich zum Beispiel das wenige Geld, was mir zum Ansparen übrig bleibt, für die Zukunft meiner Kinder. Hierbei achte ich zum Beispiel bei der Veranlagung von dem bisschen Geld, dass das Geld in keine Aktien, Fonds und sonstigen spekulativen Finanzprodukten investiert wird, welche maximale Rendite innerhalb kürzester Zeit versprechen. Denn dies sind meist die Verursacher von vielen Problemen. Ich bin diesbezüglich sehr konservativ, sprich lieber weniger Rendite, aber dafür sicher und vor allem weiß ich, dass mit meinem Geld nicht andere dann zusätzlich ausgebeutet werden. Einer alleine kann natürlich dieses Finanz-, und Wirtschaftssystem nicht ändern, aber wenn viele den selben Weg gehen, müssen über kurz oder lang auch die Systeme darauf reagieren.

Dazu braucht es mehr Mut – auch in der Politik! Mut, die Dinge anzugehen, die zu tun sind. Entscheidungen fürs Allgemeinwohl treffen, nicht zum Vorteil einzelner Lobbygruppen, sondern zum Vorteil für Österreich, Europa und die Welt. Gemeinsam schaffen wir das. Am 29.9. entscheiden wir, wo die Reise hingeht, auch in puncto Wachstum unserer (Kreativ-)Wirtschaft!

Mit herzlichen Grüßen,

Efgani Dönmez …if you like go for a LIKE on facebook

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