Ein Dialog ganz nach österreichischem Geschmack

Auch der Bundesratsabgeordnete der Grünen, Efgani Dönmez, übt massiv Kritik: „Es ist zu begrüßen, wenn der (interreligiöse) Dialog gesucht wird, jedoch wenn man es halbwegs ernst meint, dann sollte man den Dialog mit jenen suchen, welche in Österreich wohnen und ihren Lebensmittelpunkt haben. Es gibt keine nennenswerten Zahlen über Einwanderer in Österreich aus Saudi-Arabien. Wir wissen, welche Form des Islam dort vorherrscht und welche religiöse und gesellschaftliche Geisteshaltung gelebt wird. Hier der fundamentalistischsten Strömung innerhalb des Islam in Österreich und in weiterer Folge als Sprungbrett in anderen europäischen Ländern eine Bühne zu bieten, ist grob fahrlässig und gefährlich.“

Zum Argument von Befürwortern des Religionszentrums, die Initiative könnte Reformkräfte in Saudi- Arabien stärken und zu einer Öffnung beitragen, meint Dönmez: „Da bekomme ich feuchte Augen bei so viel Empathie für Reformbewegungen in Saudi-Arabien, dann sollten wir auch Al Kaida aus Afghanistan ein Palais im 1. Bezirk zu günstigen Konditionen anbieten, um sie von den Vorzügen des demokratischen Systems zu überzeugen. Oder den Neonazi Gottfried Küssel, den Holocaustleugner David Irving und andere rechte Spinner ins Jüdische Museum einladen, damit man mit ihnen in Dialog treten kann. Für wie blöd hält man die Bevölkerung?“

Außenminister Spindelegger entgegnet der Kritik, es sei keine „Einrichtung von Saudi-Arabien, sondern es handelt sich um ein Zentrum, das zum religiösen Dialog entstehen soll. Und dieses Zentrum wird nicht nur von Saudi-Arabien, sondern auch vom Vatikan und auch von Spanien und Österreich betrieben.“ Eine Aussage, die nicht nur durch die einseitige Finanzierung durch Saudi-Arabien und der interimistischen Leitung durch einen saudischen Regierungsangehörigen konterkariert wird – von der Namensgebung „King Abdulaziz- Center“ einmal abgesehen.

Der grüne Bundesrat Dönmez vergleicht die Chancen auf ein tatsächlich unabhängiges Zentrum mit jenen beim Lotteriespiel. Neben der Hoffnung auf Machtgewinn und bessere Geschäfte gehe es Österreich bei der Unterstützung der saudischen Initiative auch darum, „dass man bewusst derartigen fundamentalistischen Strömungen eine Bühne bietet, um dann wieder die Bestätigung zu erhalten, dass der Islam mit der Moderne und den europäischen Grundwerten nicht vereinbar ist. Bei dem Versuch, diese Strömung in Europa und Österreich zu etablieren, werden die Gemäßigten zu Verlierern und die konservativen und radikalen Kräfte auf allen Seiten erhalten Rückenwind – im Namen des interreligiösen Dialogs.“…

Mehr dazu: http://nunu.at/article/ein-dialog-ganz-nach-oesterreichischem-geschmack/

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