Der türkisch-arabische Einfluss in Bildungsfragen

Bildung wird in Österreich im internationalen Vergleich stärker vererbt als in anderen Ländern, wie eine nicht unrichtige These seit Jahren behauptet.

Kinder, deren Eltern im Ausland geboren sind, haben es deutlich schwerer. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund müssen immer mehr leisten, um annähernd die gleichen Chancen zu bekommen als jene, die diesen sozialen Hintergrund nicht haben.

Das ist zwar hart, aber die Realität. Andererseits haben Jugendliche mit Migrationshintergrund immense Chancen, wenn sie eine ordentliche Ausbildung genießen können. Davon profitieren alle, der Staat, unsere Betriebe, der Jugendliche selber. Die Zukunft wird jenen gehören, die mindestens drei Sprachen fließend sprechen. Es geht in der Bildungsfrage nicht nur um Chancen, sondern primär um Verantwortung. Wer hält denn die (meist ausländischstämmigen) Eltern davon ab, ihre Kinder gegen frühen Abend nach Hause zu holen, damit sie nicht unbeaufsichtigt in den Parks bis spät in die Nacht spielen oder herumlungern? Wie soll sich ein Lernerfolg einpendeln, wenn die Kinder übermüdet in den Unterricht kommen? Wie sollen Eltern, Lehrer und Kinder erfolgreich zusammenarbeiten, wenn Elternsprechtage verabsäumt werden oder die Kinder ihre Lernsachen nicht vollständig beisammen haben? Wenn wir in der Bildungsfrage luftleere Räume entstehen lassen, dann passiert eines, was bis dato schon schleichend geschehen ist. Das Bild am Weg zu bestimmten Schulen im Ballungsraum erinnert an die Vorstellung von Erdogan, eine religiöse Jugend heranzuziehen, wenn immer mehr kleine Mädchen und deren Mütter verschleiert den Schulweg antreten. Das Problem daran ist, dass wir nicht in Teheran oder in Rize sind, sondern in Österreich.

“Bildungsinstitute”, welche vom Ausland wie z. B. von der Türkei, von Saudi-Arabien oder anderen arabischen Ländern gesteuert werden, versuchen diese Lücken zu schließen – meist mit Rückendeckung und Unterstützung von unwissenden österreichischen Politikern. Am Beispiel der Türkei mit ihrer “Maarif Vakif” erkennt man unübersehbar, dass hier eine Agenda verfolgt wird. Die islamistische Agenda wird nicht nur über Moscheenableger, welche meist dem politischen Islam angehören, verbreitet, sondern über diverse Bildungsinitiativen. Bestehende Bildungseinrichtungen der Gülenbewegung in Österreich sollen von AKP-Ablegern übernommen werden. In jenen Regionen, wo es noch keine Bildungsinstitutionen gibt, sollen welche in Kooperation mit den lokalen Bildungsverantwortlichen errichtet werden, damit Ankara seinen Einfluss auf die in der österreichischen Diaspora lebenden Türken ausweiten kann. Wenn wir diesem Treiben keinen Riegel vorschieben, werden wir einen sehr hohen gesellschaftlichen Preis dafür zahlen.

Veröffentlicht unter Kommentar | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Es geht nach oben – mit den Schulden

Welchen Handlungsspielraum haben Politiker noch?

Wenn man sich die öffentlichen Haushalte ansieht, dann wird der Handlungsspielraum für die Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft immer kleiner. Die gegenwärtige Staatsverschuldung beträgt 294 Milliarden Euro, und fast alle zehn Sekunden wird es um 1000 Euro teurer. Die Pro-Kopf-Verschuldung je Staatsbürger beträgt 39.521 Euro. Dieser Kredit kostet unseren Staat jährlich 7 Milliarden 917 Millionen 194 Tausend Euro. Proportional steigend zur Staatsverschuldung steigen auch die Kosten für den laufenden Kredit.

Unter der schwarz-blauen Regierung stieg die Staatsverschuldung im BIP nur von 65,9 Prozent auf 67,0 Prozent. In dieser Zeit wurde vieles im Staatsbesitz verscherbelt, einer der Gründe für die geringe Staatsverschuldung in dieser Zeit. Folge- und Dauerschäden, wie Kärnten-Skandal, Hypo-Desaster, bis dato nicht belegbare Eurofighter-Gegengeschäfte, Millionen von sinnlosen Grippemasken, Staatsbürgerschaftsverkauf – oh, Verzeihung –, -verleihungen an schwindelige Oligarchen durch Jörg Haider, schädigten unseren Staatshaushalt. Die Liste ließe sich fortsetzen, wie mit dem sechsseitigen Gutachten in der Höhe von zwölf Millionen Euro an Beratungshonorar (Causa Birnbacher) und anderen Persönlichkeiten, wie Hochegger, Meischberger, Plech, Grasser, Mensdorff-Pouilly usw., die die öffentlichen Haushalte zusätzlich nachhaltig belasteten.

1970 betrug unsere Staatsverschuldung im Durchschnitt 15 Prozent des BIP. Unter rot-schwarzer Regierungsherrschaft bis zur Ablöse durch Schwarz-Blau wuchs der Schuldenberg auf 65,9 Prozent an. Seit 2007 wächst das BIP weiter an, mittlerweile sind wir bei 86,2 Prozent des BIP angelangt. Wenn dann dazu noch wichtige teilstaatliche Energiekonzerne, wie die Telekom oder die OMV schleichend teilprivatisiert werden und die Anteile ins Ausland wandern, begeben wir uns auf sehr dünnes Eis. Die Frage stellt sich, unabhängig davon, welche Partei am Ruder sitzt, welchen Spielraum man als Regierung, Minister oder Landesrat noch hat, wenn zu über 80 Prozent der Budgets bereits verplant sind.

Das es anscheinend gemütlicher ist, so weiterzumachen, wie bisher, zeugt der Umstand, dass weiterhin inflationär Orden verliehen und Befindlichkeiten ausgetauscht werden, zu wem Oberösterreichs Finanzressort wandert. Ohne auf den ÖVP-Oberösterreich internen Machtkampf einzugehen, macht sich außerhalb der Industriellenvereinigung überhaupt noch jemand Gedanken darüber, wie man generationengerechte öffentliche Finanzpolitik betreiben könnte und der Wohlfahrtsstaat nicht weiter über seine Verhältnisse lebt? Es gibt viele Konzepte von Experten, das was fehlt ist der Mut zu Veränderungen ohne Rücksicht auf Bünde und Kammern.

Veröffentlicht unter Kommentar | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Missbrauch des Vereinsrechts

Die Vereine und deren Mitglieder sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Sie leisten hervorragende Arbeit in humanitären, sozialen, sportlichen, musikalischen, literarischen Bereichen.

Traditions-, Tierschutz-, Kultur-, Sportvereine sowie Vereine im humanitär-sozialen Bereich, deren Anzahl in Österreich bei etwa 120.000 liegt.

Durch den Zuzug von Fremden wurden in den vergangenen Jahren auch viele Vereine (zum Großteil Kulturvereine) gegründet. Von den insgesamt 409 eingetragenen muslimischen Vereinen, die sich mit dem Islam thematisch beschäftigen, haben 235 einen türkischen Hintergrund. Die meisten Vereine verfolgen die ihrem Zweck eigenen Vorstellungen und leben deren Werte. Es gibt auch “Kulturvereine”, welche sich vorwiegend politischen und religiösen Zielen sowie deren Verbreitung verschrieben haben, obwohl diese Vereine unter anderen Vorzeichen gegründet und der Behörde gemeldet worden waren. Reaktionäre Gruppierungen, wie die Moslembruderschaft, Milli Görüs oder Ableger der türkischen Regierungspartei AKP, wie die UETD, treten meist als Vereine oder NGOs auf.

Die Behörde hat bei der Vereinsgründung von den Gründern eine klare und umfassende Umschreibung des Vereinszwecks abzuverlangen. Diese Beschreibung darf keinen Gestaltungsspielraum für zweckentfremdete Aktivitäten bilden. So dürfte die Behörde die Gründung nicht gestatten, wenn der Verein nach seinem Zweck, seinem Namen oder seiner Organisation gesetzwidrig wäre.

Da in vielen Fällen die Gründer von Migrantenvereinen den tatsächlichen Vereinszweck nicht bekanntgeben, wäre es Aufgabe der Behörde, diesen regelmäßig zu überprüfen. Wird dabei festgestellt, dass der Verein den statutenmäßigen Wirkungskreis überschreitet oder überhaupt den Bedingungen seines rechtlichen Bestandes nicht mehr entspricht, wäre dieser aufzulösen.

Wie sich jedoch in jüngster Vergangenheit gezeigt hat, wurden trotz vermehrter zweckentfremdeter Aktivitäten gegen derartige “Kulturvereine” keine entsprechenden Maßnahmen gesetzt. Die Gründe für derartige Fehlentwicklungen sind sowohl bei den Behörden als auch bei den politisch Verantwortlichen zu suchen. Durchschnittlich werden die Vereine zu 53 Prozent aus öffentlichen Fördermitteln finanziert. Es wird nicht hinterfragt, welche Ideologie hinter manchen dieser ausländischen Vereine steckt. Etliche reaktionäre Vereine erhalten auch Zuwendungen über andere Kanäle, wie Inserateschaltungen in nahestehenden türkischsprachigen Zeitungen oder Sponsoring durch Sachleistungen. Die politisch Verantwortlichen schielen hierbei auf Wählerstimmen aus reaktionären Migrantenkreisen. Was längerfristig dabei herauskommt, erkennt man am Zustand mancher Parteien.

(Quelle: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/blogs/doenmez-direkt/Missbrauch-des-Vereinsrechts;art178056,2332751 )

Veröffentlicht unter Kommentar | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wieder „Türken raus?“ – Türkei wird zum brisanten Thema in Wien

Als Reaktion auf die Pro-Erdogan-Demonstrationen in Österreich hat die österreichische Regierung an die türkischen Migranten appelliert, das Land zu verlassen. Daraufhin forderte die türkische Gemeinde ‚Neue Bewegung für die Zukunft‘ (NBZ) Mitte August finanzielle Entschädigungen im Fall einer Rückwanderung in die Türkei.

Dutzende türkischstämmige Arbeiter wären dazu bereit, so schreibt die NBZ aus Vorarlberg in einem offenen Brief, „Österreich mitsamt ihrer Familien zu verlassen — unter der Voraussetzung, dass ihnen die bisher einbezahlten Sozialleistungen wie auch die Beträge, die in die Pensionskassen flossen, ausgehändigt werden.“ Der Obmann der türkischen KULTURgemeinde, Birol Kilic, reagiert darauf schockiert: „Wir finden die Forderungen der NBZ ziemlich verantwortungslos. Es gibt viele Türken, die in Österreich ihre Zukunft sehen.“ Der Vorarlbergische Landesparteiobmann der FPÖ, Dr. Reinhard Eugen Bösch, hingegen hält den Vorschlag für durchaus denkbar. „Die Bundesregierung sollte das Angebot ernsthaft prüfen, welche Ansprüche berechtigt sind“, so Bösch gegenüber der Sputnik- Korrespondentin Anne-Kathrin Glück. Dass Regierungen Migranten mit finanziellen Anreizen die Auswanderung schmackhaft machen — die Idee ist nicht neu. In Dänemark wird die Rückwanderungspolitik seit einigen Jahren betrieben. Um gegen die unausgeglichenen Migrationszahlen anzugehen, bietet die dänische Regierung auswanderungswilligen Türken bis zu 17.000 Euro pro Person, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren.

 Türkischer Außenminister nennt Österreich „Hort des Rassismus“ In Österreich beobachtet der ehemalige Grünen-Politiker und Sozialwissenschaftler Efgani Dönmez schon lange einen Rückwanderungstrend. „Die Jungen ziehen zurück in die Türkei, weil sie in Österreich immer mehr mit Repressalien und Benachteiligungen zu kämpfen haben. In der Türkei werden diese Menschen mit offenen Armen empfangen. Die türkische Wirtschaft wächst und der Bedarf an gutausgebildeten Menschen, die auch mehrere Sprachen sprechen, steigt parallel an“, so Dönmez gegenüber Sputnik. Laut Birol Kilic macht sich die Unzufriedenheit in der türkischen Community schon lange breit. „Es gibt in Österreich ein allgemeines Vorurteil gegenüber Migranten. Doch seit der Islamische Staat im Nahen Osten wütet, die Türkeipolitik omnipräsent ist und Pro-Erdogan-Demonstrationen auf österreichischen Straßen stattfinden, seitdem werden die bestehenden Vorurteile nur noch weiter aufgeheizt.“ Kilic räumt ein: „Wenn sich die Demonstrationen gegen Arbeitslosigkeit, Bildungsmangel, Diskriminierung und Rassismus wenden würden, hätte unsere Gemeinde auch daran teilgenommen. Wir sollten die Probleme in Österreich zum Ausdruck bringen und nicht die Probleme in der Türkei.“

Türkei wird in den nächsten Jahrzehnten nicht Mitglied der EU Auf die Frage, ob sich innenpolitisch klare Integrationsversäumnisse aufzeigen, antwortet der FPÖ-Politiker Reinhard Bösch: „Es gibt dramatische Integrationsversäumnisse seitens der Türken, die hier im Land leben. Sie betreiben seit Jahren eine Integrationsverweigerung und demonstrieren, dass sie überhaupt gar keine österreichischen Staatsbürger sein wollen.“ Der Abgeordnete im Nationalrat der FPÖ zieht Bilanz der bisherigen Migrationspolitik und stellt fest, dass die österreichische Staatsbürgerschaft in den letzten Jahrzehnten zu billig verschleudert wurde. „Die Migranten müssen sich für einen Staat entscheiden. Wenn sie in einem europäischen Land leben wollen, dann haben sie sich zu integrieren und assimilieren. Und wer lieber in der Türkei lebt und dort auch politisch verwurzelt ist, der möge seine Politik in der Türkei betreiben und dort demonstrieren.“

Wegen Kurden-Demo: Türkei bestellt österreichischen Botschafter ein Geschürt werden die aktuellen innenpolitischen Diskussionen durch die anhaltenden außenpolitischen Spannungen zwischen Österreich und der Türkei. Erst sprach sich Bundeskanzler Christian Kern gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz folgte mit der Aussage, dass auch das umstrittene Flüchtlingsabkommen beendet werden sollte. Daraufhin reagierte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit Vorwürfen, Österreich sei türkeifeindlich. Am Montag wurde als Konsequenz der türkische Botschafter aus Österreich abbestellt. Eine derartige außenpolitische Konfrontationspolitik wirkt sich nicht nur auf die innenpolitischen Entwicklungen, sondern auch auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Handelspartnern Österreich und Türkei aus. Das zeigte sich bereits in der jüngsten Vergangenheit. 2005 äußerte sich die damalige österreichische Außenministerin Ursula Plassnik skeptisch gegenüber einem möglichen EU-Beitritt der Türkei. „Während der damaligen Verhandlungen, war Österreich als einer der Hauptgegner in Erscheinung getreten. Das hat dazu geführt, dass einige österreichische Firmen Großaufträge verloren haben“, so Dönmez. Doch der FPÖ-Politiker Bösch stützt die Haltung seiner Parlamentskollegen. „Die EU muss der Türkei klar machen, dass sie niemals EU-Mitglied werden kann, wir aber an guten Beziehungen interessiert sind, besonders im wirtschaftlichen Bereich. Eines der heißen Wahlkampfthemen vor der Präsidentenstichwahl am 2.Oktober ist die Türkei. Der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer spricht sich gegen weitere Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, gegen das Flüchtlingsabkommen, für das Burka-Verbot und für eine härtere Innenpolitik aus. „Die Chancen für Norbert Hofer sind ausgezeichnet. Ich hoffe, dass wir die Wahl mit einem deutlichen Abstand gewinnen werden“, so sein Parteikollege Reinhard Bösch.

Zum Radiobeitrag:

Mehr: https://soundcloud.com/sputnik-de/efgani-donmez-ehemaliger-grune-politiker-in-wien

Mehr: http://de.sputniknews.com/politik/20160827/312300663/tuerken-raus.html

Veröffentlicht unter Media | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wir können nicht alle integrieren

Efgani Dönmez war von 2008 bis 2015 Bundesrat, ehe er vom grünen Landesparteivorstand abgewählt wurde. Er ist aber weiterhin Mitglied der Grünen. Der 39-Jährige ist in der Türkei geboren und kam mit seiner Familie Ende 1976 nach Österreich. Er ist selbstständiger Konfliktberater, Sozial- und Integrationsexperte.

KURIER: Alle Ihre Warnungen über die türkische AKP und den politischen Islam sind eingetroffen. Verschafft Ihnen das ein Gefühl der Befriedigung? 

Nein. Wir haben in Österreich eine Politik, die reagiert statt vorausschauend agiert. Da ich mich mit den Themen schon länger beschäftige, habe ich gewusst, welche Netzwerke und Strukturen hier vorhanden sind, welche Agenda diese Gruppierungen verfolgen und dass das für das Zusammenleben in Österreich nicht besonders dienlich ist. Die Politik hat das immer negiert und beschwichtigt. Mittlerweile sind die Probleme unübersehbar.

Nun hat die Türkei ihren Botschafter abberufen und den österreichischen in Ankara einbestellt.

Es hat einerseits gute Kontakte gegeben. Eine Zeit lang war Österreich der stärkste Investor in der Türkei. Nun hat eine massive Entfremdung stattgefunden, die teilweise ganz bewusst von türkischen Vereinen betrieben wird. Von Vereinen, die als verlängerte Arme der türkischen Politik hier in Erscheinung treten. Ich habe darauf mehrmals in meiner aktiven Zeit als Politiker hingewiesen, aber das wollte keiner hören.

In der muslimisch-arabischen Welt wird das so dargestellt, dass die Muslime in Österreich derart diskriminiert werden, dass der türkische Botschafter zurückgezogen wurde. Man muss es zu Ende denken, was das bedeutet. Hier werden Wogen aufgeschaukelt, die Religion bekommt im öffentlichen Diskurs einen immer größeren Stellenwert. Sie wird benutzt, um die Konfliktlinien sichtbarer zu machen. Die politische Instrumentalisierung der Religion, der politische Islam ist eines der größten Probleme, die wir haben. Wir haben hier viele Ableger wie die Muslimbruderschaft, die von den arabischen Ländern unterstützt werden. Wir haben Gruppierungen wie die ATIB, die der türkischen Religionsbehörde sehr nahe stehen, oder auch nationalistische Gruppierungen wie die Milli Görüs. Über Vereine haben sie Moscheen gegründet und ihre Netzwerke ausgebaut. Über die Bildungsschiene hat sich die Gülen-Bewegung breitgemacht. Sie betreiben Kindergärten, Nachhilfeunterricht, Studentenheime etc.

Laut dem grünen Abgeordneten Hans-Christian Ströbele gibt es in Deutschland 6000 Informanten und Zuarbeiter des türkischen Geheimdienstes, die die türkische Gemeinde überwachen.

In Österreich gibt es sicherlich auch ein Netzwerk. Unsere Nachrichtendienste sollten sich auch mit diesem Thema befassen. Es ist unübersehbar, dass hier zu Denunziantentum gegen Gülen- und Erdoğan-kritische Leute aufgerufen wurde. Damit wird das Zusammenleben gefährdet.

Sollten die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abgebrochen werden?

Diese Türkei unter Erdoğan mit ihrer islamistischen Agenda hat in der europäischen Wertegemeinschaft nichts verloren. Da braucht man nicht zuwarten, ob die Todesstrafe eingeführt wird oder nicht. Die Türkei wollte der EU nie ernsthaft beitreten. Sie hat die Verhandlungen dazu benutzt, die starke Rolle des Militärs zu schwächen. Gleichzeitig war die EU nie aufrichtig und ehrlich. Die Türkei hätte bei einem Beitritt mit einem Schlag mindestens genau so viele Abgeordnete im Europaparlament wie die Deutschen. Das heißt, man würde der Türkei ein intensives politisches Mitspracherecht in die Hand geben. Daran hat niemand ein Interesse.

Wie soll Österreich auf die Einflussnahme anderer Staaten über die hiesigen muslimischen Vereine reagieren?

Die Politik braucht Grundlagen für ihre Entscheidungen. Hier braucht es einmal Wissen. Das ist nicht vorhanden. Man müsste einmal zusammenfassen, welche Gruppierungen es hier gibt, welche Agenda sie verfolgen und wie sie vernetzt sind. Auch mit den politischen Akteuren.

Das heißt, dass die Regierungsstellen über die Situation nicht Bescheid wissen?

Die gesamte politische Landschaft weiß nicht Bescheid. Hier braucht es einmal Fakten. Darauf aufbauend sollen die Regierung und die Parteien ihre Positionen erarbeiten. Die Hintergrundinformationen fehlen. Was passiert, sind Hüftschüsse. Das ist aber ein Flickwerk, dahinter steht keine Strategie. Ich weiß nicht, welche Berater im Umfeld der Regierung und der Parteien tätig sind. Diese sind entweder blind oder sie sagen nur das, was die Politiker hören möchten. Denn es ist ja unübersehbar, was sich hier zusammengebraut hat und welche Netzwerke wir haben. Dennoch wird immer nur beschwichtigt.

Ist die Integration der Türken gescheitert?

Wenn man sich die Zahlen und unterschiedlichen Statistiken ansieht, dann ergeben sie kein positives Bild. Die Arbeitslosigkeit ist höher, die Bildungsabschlüsse sind im unteren Bereich angesiedelt, die Frauenbeschäftigung ist extrem niedrig. Obwohl die Türken jene Gruppierung sind, die am längsten in Österreich ist und die die meisten sogenannten Kulturvereine hat.

Liegt es an der Mentalität der Menschen?

Nein, die Türken sind sehr fleißige Menschen. Bildung hat auch einen hohen Stellenwert. Aber wir haben uns in den 1960er- und 1970er-Jahren sehr bildungsferne Schichten nach Österreich geholt. Die Arbeitswelt und die Lebensumstände haben sich in den vergangenen 50 Jahren massiv verändert. Aber das ist in den Köpfen der Menschen nur vereinzelt angekommen.

Gleichzeitig gibt es Ausgrenzungserfahrungen. Das darf man nicht unterschätzen. Zum Beispiel wird türkischstämmigen Jugendlichen der Zutritt zu Lokalen verweigert. Sie müssen sich viel öfter um Anstellungen bewerben. Das ist auch Realität. Ich kenne türkischstämmige junge Menschen, die hier aufgewachsen sind und keinen Job bekommen. Sie sind in die Türkei zurückgegangen und sind dort mit offenen Armen aufgenommen worden.

Welche Maßnahmen sollte man in der Integration ergreifen?

Zu erkennen, dass man nicht alle integrieren kann. Man sollte jene, die leistungswillig sind und sich in die Gesellschaft einbringen, unterstützen. Und jenen sagen, die das nicht wollen, danke, auf Wiederschauen. Diese Klarheit gibt es nicht. Wir haben beim Asyl Anerkennungen, aber fast keine Aberkennungen. Wenn jemand Asyl bekommt, ist das ein Dauerticket, auch wenn sich die Situation im Herkunftsland beruhigt.

Weiters haben wir viele Communities entstehen lassen, in die wir null Einblick haben. Wir wissen nicht, was bei den Tschetschenen abgeht, was bei den Afghanen abgeht, wir wissen nicht, was sich bei den Syrern zusammenbraut.

Ich habe zehn Jahre mit Flüchtlingen gearbeitet. Man muss die Realität sehen. Was tut man mit den vielen nichtqualifizierten Leuten? Man kann sie in einer Hochleistungsgesellschaft nur ganz, ganz schwer an den Arbeitsmarkt heranführen. Wie soll das bei einem funktionieren, der die Sprache nicht kann, der möglicherweise eine völlig andere Einstellung zur Arbeit hat und über keine Ausbildung verfügt? 80 bis 90 Prozent der Afghanistanstämmigen sind Analphabeten. Deshalb müssen wir die Zuwanderung regulieren. Dann gibt es Vorschläge wie die Ein-Euro-Jobs. Wir wissen aus Deutschland, dass sie kontraproduktiv sind. Jede Arbeit muss Sinn machen, sonst halten die Leute das nicht durch.

(kurier) Erstellt am 

https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/wir-koennen-nicht-alle-integrieren/218.059.405

Veröffentlicht unter Media | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar