Dönmez und die Dogmen

Macht der junge Politiker so weiter, wird er selbst bald abgeschoben werden: in die Frühpension – Von Gerald John

Efgani Dönmez redet sich um Kopf und Kragen. Der grüne Bundesrat zieht über “Kameltreiber” in Gebetshäusern her. Schwadroniert über “Brüste” von Politikerinnen. Und will Asylwerber, die “Mist bauen”, flott “ausweisen”. Offenbar auch jene, die nur ein Zahnbürstl stehlen – zumindest hat Dönmez sein Diktum nicht eingeschränkt.

Macht der junge Politiker so weiter, wird er selbst bald abgeschoben werden: in die Frühpension. Es wäre schade um eine verpasste Chance. Denn eigentlich täte den Grünen ein frecher Vertreter aus der Migrantenszene, der die eigenen Dogmen hinterfragt, gut. Entkleidet man Dönmez’ Sprüche von den Überspitzungen und Dümmlichkeiten, bleibt ein artikuliertes Unbehagen über die grüne Integrationspolitik übrig, das augenscheinlich auch potenzielle Wähler teilen.

Grüne sehen Zuwanderer hauptsächlich als Opfer. Wenn das Zusammenleben nicht klappt, dann nur deshalb, weil Ausländern wichtige Rechte vorenthalten werden – vom Staat schikaniert, von der Gesellschaft diskriminiert. Das ist alles richtig, aber einseitig. Integration lässt sich nicht auf legistische und soziale Fragen beschränken. Es ist etwa ein Problem, wenn Patriarchen vom Familienvater bis zum Imam Mädchen nicht in die Schule schicken wollen, weil ein konservatives Islamverständnis dies vorschreibt.

Längst warnen auch linke Sozialarbeiter vor religiös motivierter Abkapselung. Die Grünen hingegen wischen das Wort von den “Parallelgesellschaften” gern als Kampfbegriff vom Tisch – und überlassen die Debatte den Rechten. (Gerald John/DER STANDARD Printausgabe, 16. Dezember 2008)

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