100.000 Zuwanderer bis 2030?

100.000 Zuwanderer bis 2030?

Für SPÖ zu vielIntegration – Kritik von allen Seiten am Vorstoß von Außenminister Spindelegger. Wie viele Zuwanderer braucht Österreich in den kommenden Jahren? Darüber debattiert seit gestern die heimische Politik. Auslöser war Außenminister und ÖAAB-Chef Michael Spindelegger. Er sagte in der Presse , dass Österreich bis 2030 rund 100.000 Immigranten benötige.
„Wir brauchen dringend Zuwanderer“, erklärte Spindelegger und plädierte für eine „aktive“ Migrationspolitik der Regierung. „Ohne aktiven, gezielten Prozess der Zuwanderung“ seien Gesundheits- und Sozialsysteme nicht überlebensfähig.
Die anderen Parteien reagierten skeptisch bis ablehnend auf den Vorstoß. „Tatsache ist, dass wir ein gewisses Maß an Zuwanderung benötigen. Wegen der Überalterung der Gesellschaft gibt es immer weniger Einzahler ins Sozialsystem. Aber 100.000 bis zum Jahr 2030 scheint mit doch ein bisschen hoch gegriffen“, sagte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter dem KURIER. […]
Erwartungsgemäß ablehnend reagierten Blaue und Orange. „Zuwanderungspolitik à la Spindelegger lehnen wir ab“, sagte FPÖ-Vizechef Norbert Hofer. BZÖ-Obmann Josef Bucher wandte sich vehement gegen eine „Massenzuwanderung“.

Zuwanderung weit höher. Bis 2030 ein halbe Million mehr
Der Bevölkerungsexperte Rainer Münz relativiert die Forderung von Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP), dass Österreich 100.000 Zuwanderer bis zum Jahr 2030 brauche, sonst überaltere und die Gesellschaft. Nach Berechnungen von Münz ist die Zuwanderung ohnehin weit höher.
Ohnehin übersiedelten jedes Jahr 100.000 bis 120.000 Menschen nach Österreich, überwiegend aus dem EU-Ausland, sagt Münz im Ö1-Morgenjournal-Gespräch. 80.000 Menschen gingen jedes Jahr weg, blieben unterm Strich jedes Jahr 20.000 bis 40.000 Personen mehr. “Das bedeutet bis 2030 eine halbe Million Menschen mehr”, so Münz. In diese Richtung gehe auch die Prognose der Statistik Austria, die von rund neun Millionen Einwohner in Österreich im Jahr 2030 und etwa 9,5 Millionen um die Mitte des 21. Jahrhunderts.
Zuwanderung sei sinnvoll und stütze die sozialen Sicherungssysteme, sagt Münz, wenn die Zuwanderer auch schnell Arbeit finden, Steuern entrichten und in die Sozialsicherungssysteme einzahlen. Langfristig erhöhe das allerdings auch die Zahl derer, die einmal in Pension gehen können.
Die Zuwanderung komme derzeit vor allem aus der EU und sei politisch nicht gesteuert, weil sie von der Niederlassungsfreiheit in der EU Gebrauch mache. Die werde in erster Linie von den verfügbaren Studien- und Arbeitsplätzen bestimmt, so Münz. Politisch beeinflussbar und einschränkbar sei nur jene aus Drittstaaten.
Auch die Einschätzung über das Qualifikationsniveau der Zuwanderer rückt Münz zurecht: Die Zuwanderer, die in den letzten zehn Jahren nach Österreich gekommen sind, unterschieden sich deutlich von den “Gastarbeitern” der 1960er-Jahre. Vor allem in den letzen zehn Jahren stamme die Zuwanderung vorwiegend aus dem mittleren und höheren Qualifikationsbereich. “Ich sehe die Probleme, die wir uns in den 6oer-Jahren durch die Gastarbeiteranwerbung langfristig selbst geschaffen haben, bei einer zukünftigen Zuwanderung von besser qualifizierten Menschen nicht”, sagt der Bevölkerungswissenschaftler.
(Ö1 Morgenjournal, OÖN 26.7.)

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