EFGANİ DÖNMEZ Abgeordneter zum Nationalrat

Fleischgewordener Albtraum für Nationalisten

Wissen Sie, wer der bekannteste Flüchtling auf der Erde ist? Er sagte: “Ich kenne keine Feinde. Es gibt nur Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe.”

Dieser Flüchtling hegt keinen Hass gegenüber seinen Verfolgern. Dieser Flüchtling vertritt die Meinung, dass wir nicht als Mitglied einer bestimmten Religion auf die Welt kommen. Dieser Flüchtling sprengt alle nationalen, religiösen und kulturellen Grenzen. Ein fleischgewordener Albtraum für jeden Nationalisten und religiöse Institutionen.

All die Kriege, die politischen Sackgassen, in denen wir uns befinden, der Klimawandel, die Frage der Verteilung von Reichtum, Migrationsströme – all diese Probleme werden wir mit unserem bisherigen Denken und dem daraus resultierenden Handeln nicht lösen können.

Alle Religionen und Heilige Schriften tragen ein Gewaltpotenzial in sich. Dieser Flüchtling ist der Überzeugung, dass Menschen ohne Religion auskommen können, aber nicht ohne innere Werte, nicht ohne Ethik. Die Buchreligionen reden von Liebe, doch meist resultiert das Gegenteil daraus. Die Christen reden von Liebe und haben Kriege und Kreuzzüge geführt. Die Muslime reden von Barmherzigkeit und Liebe und führen ihre Heiligen Kriege und Dschihads.

Wenn man nicht mit sich selber und der Natur im Einklang ist, dann ist man aus dem Gleichgewicht. Ein idealer Zustand, um Hass gedeihen zu lassen. Auswüchse einer solchen Haltung sind, dass Liebe zu einem Land, zu einer Kultur in der Form bewiesen wird, indem man andere Länder und Kulturen hasst. Zugespitzt formuliert könnte man sagen, der Klerus und die Politiker sind die Feinde der Menschen. Sie stecken unter einer Decke, denn der Politiker will den Menschen beherrschen und der Klerus die Seele. Man bedient sich derselben Rezeptur – der Zerstörung der Liebe. Denn dann ist der Mensch innerlich leer, eine Existenz ohne Sinn. In solch einem Zustand ist der Mensch manipulierbar, ängstlich und empfänglich für Hassbotschaften.

Menschen voller Liebe sind voller Mut, Liebe nimmt die Angst.

Wir haben Polizei- und Militärakademien, wo Strategien für Schutz, Verteidigung und gezieltes Töten gelehrt wird, aber in unseren Schulsystemen keinen Ethik-Unterricht. Eine säkulare Ethik als Unterrichtsfach, in dem innere Werte wie Achtsamkeit, Mitgefühl, Streben nach Glück und Liebe in den Vordergrund gerückt werden, würden die Erkenntnis reifen lassen, dass alle Menschen nach demselben streben – unabhängig davon, welcher Kultur, Religion oder Nation wir angehören.

Damit würden wir einen essenziellen Grundstein dafür legen, dass Konflikte und Kriege ein Ende finden und Flüchtlinge, wie der Dalai Lama, erst recht nicht ihre Heimat verlassen müssen.

Von Efgani Dönmez
EFGANİ DÖNMEZ Abgeordneter zum Nationalrat

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