Kampf gegen Studiengebühren hat eine Schlagseite!

Ich bin grundsätzlich der Überzeugung, dass der Zugang zu Bildung vom Kindergarten bis zur Hochschule kostenlos sein sollte. Österreich verfügt über keine nennenswerten Bodenschätze, die primären Einnahmequellen, welche unseren Lebensstandard absichern ist die schöne Landschaft und die daraus generierten Einnahmen aus dem Tourismus sowie die Innovationen im Wirtschafts,- Industrie sowie Dienstleistungssektor. Dazu benötigt es bestens ausgebildete BürgerInnen, welche ohne Hürden und Barrieren, in welcher Form auch immer, Zugang zu Bildung bekommen. Ein selektives System, welches primär priviligierten gesellschaftlichen Schichten den Zugang zu Bildung ermöglicht, lehne ich ab.

Da ich selber aus einem Arbeitermilieu stamme und auch selber als Arbeiter tätig war, welcher über den zweiten Bildungsweg mehrere Studien abgeschlossen hat, versuche ich die Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Ich sehe das Engagement der ÖH (auch meiner Partei) im Kampf gegen die Studiengebühren als etwas einseitig. Wenn wir gegen Studiengebühren sind, wogegen ich auch bin, dann muss man ehrlicher Weise auch die andere Seite der Medaille mit der gleichen Intensität thematisieren.

Hierzu ein Beispiel:

Als gelernter Gas,- Wasser und Zentralheizungstechniker habe ich nach vier Jahren Lehrzeit die Gesellenprüfung abgeschlossen. Vom Beginn der Lehre bis zum regulären Abschluss der Lehre fallen kaum Kosten für den Lehrling an, außer man ist in einem Internat untergebracht. Für die Ablegung der Prüfung ist eine kleine Gebühr zu entrichten, welche jedoch marginal ist und kaum ins Gewicht fällt.

Möchte man nach der Ablegung der Gesellenprüfung eine Meisterprüfung machen, dann muss man selber sehr tief in die Tasche greifen. Die Module, samt Projektarbeit kosten insgesamt 10.240€ + Prüfungsgebühr 311€ + Unternehmerprüfung/Ausbildnerprüfung 281€, macht insgesamt 10.832€ aus. Will man überdies hinaus noch einen Ingenieur ist dies nochmals mit zusätzlichen Kosten verbunden. Ein Studium mit einer Dauer von 8 Semestern kostet einen österreichischen Studierenden sowie EU-Bürger, bei einer Studiengebühr in der Höhe von 363,36€, für das gesamte Studium 2.907€.

Heute wurde seitens des Rechnungshofes der Einkommensbericht für 2010 und 211 der Österreicherinnen präsentiert. Daraus geht hervor, dass die niedrigsten Medianeinkommen: 18.157 EUR ArbeiterInnen die höchsten Medianeinkommen: 49.274 EUR BeamtInnen haben. Eine Erklärung dafür ist, dass unter den BeamtInnen der AkademikerInnenanteil wesentlich höher ist als bei den ArbeitnehmerInnen, dh im weiteren Arbeitsleben ein durchaus höheres Einkommen seitens der AkademikerInnen erzielt wird.

Was will ich mit diesem Beispiel aufzeigen?

Ich wünsche mir, seitens der ÖH den Blick auch auf die andere Seite der Medaille zu lenken, dass wenn kostenloses Studium eingefordert wird, (wofür ich auch bin) dass man mitbedenkt das es nicht wenige Menschen in diesem Land gibt, welche für Ihre Ausbildung selber sehr tief in die Tasche greifen müssen. Wenn wir es gemeinsam schaffen auch diese Ebene zu berücksichtigen, dann ist es eine authentische Forderung hinter der ich auch zu 100% stehen kann.

Als Befürworter eines kostenlosen Bildungszuganges, vom Kindergarten bis zur Hochschule, unterstütze ich die Anliegen der Studierenden im Kampf gegen die Studiengebühren , jedoch erlaube ich mir auch anzumerken, dass diese Forderung eine Schlagseite aufweist. Ein Schiff mit Schlagseite ist schwer zu manövrieren. Wenn kostenloser Zugang zu Bildung gefordert wird, dann für alle! Ich bin der Überzeugung, dass selbst dieser eingeforderte Studienbeitrag von manchen Universitäten, die Miserie der Universitätslandschaft, in der sie steckt, nicht lösen wird können.

Im Sinne der Ausgewogenheit sollte auch diese Ebene thematisieren werden. Ich werde es in meiner politischen Arbeit auf jeden Fall machen.

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