Gegen die Wand. Mit Recep Tayip Erdogan

Sibel Kekilli spielte in dem deutsch-türksichen Drama von Fatih Akin „Gegen die Wand“ die Hauptrolle, in ihrer verzweifelten Suche nach Freiheit ging sie Kompromisse ein, welche für alle Beteiligten, fatale Folgen hatte.

Dieser Filmtitel ist auch für den türkischen Premier Erdogan zu treffend, mit dem parternalistisch-autoritären Führungsstil steuert er einer Wand entgegen. Seine Redebeiträge wirken als hätte er einem Teil der türkischen Bevölkerung den Krieg erklärt, all jenen die mit seinem konservativen, islamisch geprägten Weltbild wenig bis nichts anfangen können.

Die AKP setzt die neoliberale Politik von Premierminister Turgut Özal aus den 1980 Jahren fort, welche nach der Wirtschaftskrise 1994 die Anpassungsprogramme des IWF und mit den Beitrittsverhandlungen zur EU eine Etablierung einer islamisch-konservativen Mittelschicht erreicht hatte.

Der schwächer werdenden republikanisch-säkularen Elite steht nun eine immer stärker werdende islamisch-konservative Mittelschicht gegenüber. Beide mit unterschiedlichen Lebensstilen und Werthaltungen. Diese und weitere Faktoren, wie die große Schere zwischen Arm und Reich, Flucht der ärmeren ländlichen Bevölkerung in die Städte, einer Liberalisierung und Privatisierung weiter Sektoren beschleunigen, dass weite Teile der Bevölkerung noch mehr unter Druck geraten.

Zusätzlich wird die politische Agenda den Islam als Religion auch als gesellschaftspolitisches Konstrukt voranzutreiben massiv forciert. Was die säkular eingestellte Jugend, Arbeiter, Linke, Kurden sowie religiöse Minderheiten, wie etwa die Aleviten oder Ethnien, wie die Armenier, noch mehr unter Druck setzt.

Für Erdogan steht mehr auf dem Spiel. Die Türkei wurde und wird, als ein Musterbeispiel  für „Vereinbarkeit von Demokratie und Islam“, von den westlichen Ländern und auch im arabischen Raum, prolongiert. Der türkische Premier lässt keine Zeichen erkennen, dass er vor der nahenden Mauer zu der er sich mit großer Geschwindigkeit nähert, halt machen wird. Das Musterbeispiel Türkei, als „Vereinbarkeit von Demokratie und Islam“ droht an der Wand, auf die sich Erdogan zu bewegt, zu zerschellen. Dies wird über die eigenen Ländergrenzen hinaus politische und religiöse Auswirkungen haben, mehr noch als eine verlorene und niedergeschlagene junge Generation in der Türkei.

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