Kobane – Wie eine Fata Morgana, so weit und doch so nah

Dieses Lied mit dem Titel „Wie eine Fata Morgana, so weit und doch so nah.“, der EAV aus den 90’er Jahren erinnert an die Situation an der türkisch-syrischen Grenze. Seit Montag, dem 06.10.2014 wird die Stadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze, nach langem Zusehen und unter Billigung der Türkei und den westlichen Alliierten von den Terrormilizen der IS überrannt.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde klar, dass dieser weit entfernte Konflikt in den Städten der Türkei, in den Städten Europas und auch in Österreich angekommen ist. Die kurdischstämmigen Mitbewohner organisierten in Windeseile aus ihrer Verzweiflung und der angestauten Wut, gegenüber jenen, die seit Wochen dem mörderischen Treiben der IS-Terrormilizen abwartend zusehen, spontane Demos vor öffentlichen Gebäuden und Institutionen in vielen europäischen Städten, ebenso vor dem Parlament in Wien und an öffentlichen Plätzen in Städten, wie Linz, Graz und Salzburg. Die ersten Demos forderten bereits mehr Todesopfer als die Proteste um den Taksim-Platz in Istanbul.

 Wien Kobane Demo vor dem Parlament 06.10.2014

Erdogan und seine AKP werden sich die Proteste rund um die Taksim-Platz-Demonstrationen zurückwünschen, denn das was sich durch die Billigung und das Zuschauen der türkischen Regierung gegenüber der ISIS an Wut, Enttäuschung und Ärger zusammengebraut hat, wird, wenn die kurdischen Gruppierungen überlegt und strategisch vorgehen, die Fundamente der AKP ins Wanken bringen.

Die im Ausland gut vernetzten und organisierten kurdischen Gruppierungen könnten zusätzlich zu den zig  Millionen Kurden in der Türkei, eine wesentliche Rolle spielen, wenn sie die Zeichen der Zeit erkennen und es schaffen an einem Strang zu ziehen.

Das die berechtigten Proteste in den europäischen Städten in kurzer Zeit abklingen werden ist nicht zu erwarten. Die kurdischen MitbewohnerInnen werden die notwendige Ausdauer aufbringen, die Protestkundgebungen in den europäischen Städten so lange aufrecht zu erhalten, bis sich die Verbündeten im Kampf gegen den IS sich vom Zuschauer-Status verabschieden und sich für ein aktives Handeln gegen den IS-Terror einsetzen. Diese entschlossene Haltung ist ein Zeichen dafür, mit welcher Entschlossenheit die Kurden diese Thematik verfolgen werden.

Wenn die kurdischen Gruppierungen es schaffen ihre Kräfte zu bündeln und ihre bisherige Strategie neu überdenken, dann könnten sie das Züglein an dem Wagen sein, welche das Potenzial zu einer Neuordnung der Kräfteverhältnisse in der gesamten Region hätte.

Im über 30 Jahre dauernden Kampf Mann gegen Mann haben beide Seiten große menschliche Verluste eingefahren. Im gegenwärtigen Konflikt würden wieder nur jene Männer sich gegenüberstehen, welche sich vom türkischen Präsenzdienst nicht freikaufen konnten und gezwungen sind an einem Kampf teilnehmen zu müssen, welcher nicht der ihre ist. Die wahren Drahtzieher sitzen weit entfernt und unbehelligt in ihren abgesicherten Wohn- und Arbeitskomplexen. Die kurdische Bewegung, insbesondere der bewaffnete Arm der Bewegungsteht in diesen Tagen an einem entscheidenden Wendepunkt, greift sie wieder zu den Waffen und verfällt dadurch in bekannte Konfliktbewältigungsmuster, die Jahrzehnte lang außer viel menschliches Leid und materielle Verluste kaum etwas verändert haben oder beschreitet sie neue, viel schmerzlichere Wege für die türkische Regierung bis diese einlenkt, nämlich die türkische Wirtschaft, insbesondere den Zweig der Yesil Sermaye (islamisch geprägte Produkte und Dienstleistungen) unter Druck zu setzen.

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