Ratlosigkeit gegenüber Terror?

Es vergehen gefühlt kaum ein paar Wochen, in denen kein Terroranschlag stattfindet.

In mittlerweile routineartigen Floskeln beschwören von Staatspräsidenten abwärts alle den Kampf gegen den Terror zu intensivieren – inklusive Twitter-Meldungen und Beileidsbekundungen. Gefolgt von Friedensdemonstrationen, wo Kerzen angezündet, Blumen niedergelegt werden und nette Gesten der Besänftigung, welche gekleidet in Ratlosigkeit und Hilflosigkeit sich in Slogans, wie „Liebe ist stärker als der Hass“, widerspiegeln. Die Ursachen des Terrors sind multidimensional. Den gegenwärtigen Terrorismus müssen wir als ein langes Kapitel der westlichen Modernisierung und Globalisierung begreifen.

Die Bruchlinien der globalen Ungerechtigkeit gepaart mit Rückständigkeit und Tradition des orientalischen Despotismus sowie eines islamischen Klerus, welcher den Nährboden in millionenfacher Hinsicht über Predigten und sogenannte Koranschulen, Medresen und TV-Sender aufbereitet, sind das Grundübel. Die Logik der Islamisten, ob mit Anzug und Krawatte oder jener mit Sprengstoffweste, ist dieselbe, ihr Mantra lautet: „Kümmere dich um die Religion, und das Gemeinwohl entsteht von selbst.“ Der sichtbare Terror ist nur die Spitze des Eisberges, darunter ruht eine Theologie der Verachtung.

Letzte Woche wurde in der Türkei eine Frau mit ihrem Kleinkind Opfer einer Lynchjustiz. Der Grund war, weil sie im Fastenmonat Ramadan ihrem Kleinkind ein Eis kaufen wollte. In Deutschland bezahlte ein Asylwerber mit seinem Leben, weil er im Fastenmonat ein Eis auf offener Straße gegessen hatte. Der slowenischstämmige Philosoph Slavoj Zizek brachte es auf den Punkt: „Der Hass der Islamisten auf den Westen nährt sich auch aus unserem Egalitarismus und unseren persönlichen Freiheiten, einschließlich einer gesunden Dosis von Ironie und Spott gegenüber allen Autoritäten. Der liberale Westen ist deshalb so unerträglich, weil er Ausbeutung und Gewaltherrschaft nicht nur praktiziert, sondern diese brutale Realität wie zum Hohn als ihr genaues Gegenteil verkleidet, nämlich als Freiheit, Gleichheit und Demokratie.“ Diese Freiheit, Gleichheit und Demokratie zu neuem Leben zu erwecken muss oberste Priorität haben. Um den routineartigen Floskeln, Beileidkundgebungen und Twitter-Meldungen über die Anschläge wirksam etwas entgegenzusetzen, wurde in Oberösterreich eine europäische Bürgerinitiative gegen Extremismus ins Leben gerufen. Extremismus in all seinen Ausformungen bedroht die Werte, den Frieden und den Zusammenhalt der Europäischen Union. Wenn wir ernsthaft dem Extremismus den Nährboden abgraben wollen, dann können wir nur gemeinsam mit dem Ausbau von sozialer Gerechtigkeit entgegensteuern.

http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/blogs/doenmez-direkt/Ratlosigkeit-gegenueber-Terror;art178056,2591920

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