Die politische Instabilität der Türkei hat Auswirkungen auf Europa

Das Auseinanderdriften der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei muss in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden.

Einerseits die Fehler und Doppelbödigkeit der europäischen Politiker gegenüber der Türkei im Annäherungsprozess, andererseits der immer stärker werdende Einfluss innerhalb der AKP, die Türkei weg von Europa hin zu Russland, China und Zentralasien zu orientieren.

Der Eurasismus in dieser Form ist ein seit Anfang des 21. Jahrhunderts in der Türkei bekanntes geopolitisches Konzept gegen eine Westbindung, welches nicht mit dem ursprünglichen Eurasismus zu verwechseln ist. Der “klassische” Eurasismus behauptet, dass ein von Russland dominierter “Kontinent Eurasien” als dritter Kontinent zwischen Europa und Asien existiert, der in einem fundamentalen Gegensatz zur “romanisch-germanisch” geprägten westlichen Welt steht.

Von der AKP wird die türkische Variante des Eurasismus in einflussreichen Teilen der islamistischen AKP vertreten, die immer gegen eine Westbindung waren. Nicht nur rechte Parteien in Europa pflegen enge Kontakte zu russischen Verbündeten, sondern auch türkische Parteien.

Dogu Perincek von der Vatan Partisi pflegt beste Kontakte zu russischen Rechten wie Alexander Dugin, der antiwestliche und antiliberale Positionen vertritt.

Perincek gehörte zu den größten Gegnern der AKP, da sich politisch ausgelegter Islamismus und säkulare Ideologie immer feindlich gegenüberstanden. Perincek pflegt heute jedoch gute Verbindungen zu Teilen der AKP.

Die innenpolitische Landkarte nach dem Putschversuch im Sommer hat sich vollständig verändert. Neben den kurdisch-terroristischen Gruppierungen wie der PKK sowie der global agierenden und religiös-politisch ausgerichteten Gülen-Bewegung von Fethullah Gülen, inzwischen vom Wegbegleiter der AKP zur terroristischen Organisation FETÖ und Staatsfeind Nr.1 erklärt, weil ihr u. a. eine Beteiligung am Putsch vorgeworfen wird. Diese Bewegung soll auf nationaler, europäischer und globaler Ebene vollkommen zerschlagen werden.

Mittlerweile gibt es in der Türkei mindestens einen Dreifrontenkrieg gegen IS, PKK und FETÖ. Dieser Krieg wird die Türkei noch weiter destabilisieren. Der Tourismus als eine wirtschaftliche Haupteinnahmequelle wird massiv darunter leiden, während sich das Land entlang ethnisch-religiöser Bruchstellen immer mehr spaltet. Die Attentate, unabhängig davon, wer die Urheber sind, haben ein gemeinsames Ziel: Das Zufügen von ökonomischen Verlusten, was zu politischer Instabilität und sozialen Eruptionen führen wird.

Diese Entwicklung stellt unter anderem einen Nährboden für weiteren Extremismus direkt in und vor Europas Haustür dar.

Quelle: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/blogs/doenmez-direkt/Die-politische-Instabilitaet-der-Tuerkei-hat-Auswirkungen-auf-Europa;art178056,2437974 

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